Erste Woche hier... Sommer, Sonne, annähernd 30 °C, geniales Essen, tolle Leute, eben typisch England. ??? Moment mal, eigentlich bin ich mit anderen Erwartungen hierher gekommen, abgesehen von den Leuten.
Inzwischen weiß ich, dass das in dieser Woche wirklich der Sommer WAR. Sprich hier ist es ein zwei Wochen schön und den Rest des Jahres regnet es.
Nein ganz so schlimm ist es nun auch wieder nicht, aber doch etwa die Hälfte der Woche verbringen wir hier drinnen, weil es einfach zu sehr regnet, um draußen zu arbeiten.
Doch nun zurück zu den schönen Seiten hier. Das Essen ist wider Erwarten sehr gut hier. Der Koch ist zwar ziemlich jung, aber hat's einfach drauf. Man ist sich noch nicht einig geworden, ob es wirklich immer typisch englische Küche ist, aber solange es weiterhin so gut ist, soll mir das egal sein ;).
Für die, die nicht wissen, wo ich hier bin und was ich mache, sei dies eine kleine Erklärung dazu:
Ich bin hier bei einer christlichen Organisation, genannt „Fackelträger“ bzw. „Torchbearers“. Das Center hier in Nordwestengland ist das größte und zugleich der Ursprung der Organisation, welche in den 50-Jahren gegründet wurde. Inzwischen gibt es 25 Centers weltweit, unter anderem auch in Deutschland und Österreich. Für diejenigen, die ein paar mehr Infos haben möchten seien diese Links genannt:
http://www.torchbearers.com (internationale Homepage)
http://www.capernwray.org.uk/ (das Center hier vor Ort)
Das Gut "Capernwray Hall", auf dem das Center steht wurde damals von der Familie Thomas gekauft und befindet sich auch heute noch in deren Besitz. Es besteht aus ein paar Hektar Land, die für die Schafzucht genutzt werden, sprich es gehört auch eine kleine Farm dazu, aus dem Hauptgebäude dem Schloss inkl. Lounge, Bibliothek und viel Wohnraum. Weiterhin gibt es noch eine Dining Hall, eine Conference Hall, die gerade neu gebaut wird, eine Sports Hall, eine Swim Hall und einen Innenhof, der umrandet wird von weiteren Wohngelegenheiten, wo auch unter anderem ich untergebracht bin. Über die Landschaft verteilt sind dann noch einzelne Häuser, die für die permanenten Mitarbeiter gebaut wurden.
Ich hatte nicht erwartet, dass es alles so groß ist und so viele Leute hier sind. Im Winter und Frühling wird alles als Bibelschule genutzt, was bedeutet, dass junge Studenten aus der ganzen Welt hier her kommen, um mehr über die Bibel und deren Inhalt zu erfahren und zu lernen. In dieser Zeit sind ca. 160-180 Studenten und 40 Mitarbeiter hier, von denen etwa 15-20 dauerhaft hier leben und arbeiten und der Rest, so wie ich, nur eine bestimmte Zeit hier sind.
Im Sommer jetzt wird es wesentlich arbeitsintensiver für die meisten Mitarbeiter, da nun keine Bibelschule mehr stattfindet, sondern Gästewochen. Im Prinzip ist es von nun an mehr eine Ferienanlage, was bedeutet, dass mehr Mitarbeiter benötigt werden, um all die Betten zu machen, zu putzen, Essen zu servieren und abzuspülen. Während der Bibelschule hatten alle Studenten ihre täglichen Aufgaben in diesen Bereichen mitzuhelfen, was nun natürlich wegfällt. Es gibt verschiedene Themenwochen, was bedeutet, dass z.B. die erste Woche eher ältere Gäste hier waren und die letzten zwei Wochen nur Familien mit jungen Kindern. Am anstrengendsten wird es wahrscheinlich nächste Woche, wenn Youthweek ist und 150 Jugendliche hier ihr Unwesen treiben ;).
Nun genug jedoch von den allgemeinen Infos. Was mache nun ich hier:
Ich hatte mich hier beworben, weil ich mein Englisch verbessern wollte und auch etwas für mein Leben dazu lernen wollte, sowohl arbeitstechnisch, als auch geistig. Und im Prinzip habe ich das alles exakt so hier vorgefunden!
Ich arbeite hier in dem Department Maintenance, was wohl am ehesten mit Hausmeister oder „Instandhalter“ übereinstimmt. Wir sind fünf Leute in diesem Bereich, bestehend aus Luis, einem jungen Spanier, einem anderen jungen Deutschen (Für die, die ihn kennen, es ist Chris, Patricks Bruder), Dino, einem sizilianischen Briten Mitte 50 und unserem Chef Andrew, Brite schätzungsweise Ende 40. Normalerweise arbeite ich mit Chris und Dino zusammen und unsere Arbeit besteht meistens aus Schleifen, Streichen und Müll entsorgen. Klingt erst einmal sehr unangenehm, aber ich habe es inzwischen schätzen gelernt und ehrlich gesagt ist das Müll entsorgen sogar das angenehmste von allen Dingen.
Sofern das Wetter schön ist, gehen wir raus und streichen alles, was bei drei nicht auf den Bäumen ist, sprich so ziemlich alles, angefangen bei den Basketball- und Volleyball-Pfosten und Körben, über ganze Hauswände, hinzu jeglicher Art von Bänken und Tischen. An jedem zweiten Tag muss der Müll entsorgt werden, sprich aus den Behältern vor Ort auf den „Super Truck“ (mehr Mini als Super) geladen werden und dann in den Containern entsorgt werden. Wenn man bedenkt, dass hier zeitweise 200 Leute leben, kann man sich vorstellen, was da an Müll zusammenkommt. Ekelhaft wird’s erst dann, wenn Küchenreste ins Spiel kommen und sich die Gerüche verselbstständigen. Aber es ist ein sehr dankbarer Job, wenn man den ganzen Tag drinnen in Räumen damit verbracht hat, die Dämpfe der Farben einzuatmen. Dann freut man sich einfach nur darauf, raus an die frische Luft zu gehen und schon überwiegen nicht mehr die „smelling bags“.
Da es hier nun wie gesagt die Hälfte der Zeit regnet bzw. es noch zu nass ist, um draußen zu arbeiten, wird eben drinnen weiter gestrichen oder irgendetwas repariert, was nicht läuft, wie es laufen sollte.
Zusammengefasst zu meinem Job hier. Es ist definitiv nicht das, was ich mein ganzes Leben lang machen möchte, aber es ist eine Arbeit die getan werden muss, und momentan ist es meine Aufgabe. So versuche ich das beste daraus zu machen und v.a. im Bezug auf das Streichen dazuzulernen, sodass ich es auch später zurück in Deutschland anwenden kann.
Meine Arbeitswoche beginnt Montag morgens um 8:30 Uhr und endet im Regelfall Samstag, um 12:00 Uhr. Wochentags arbeite ich ca. 7 Stunden, sprich bis um 17 Uhr mit entsprechenden Pausen zwischendurch. Sonntags ist immer frei und alle drei Wochen auch der Samstag. Zusammengefasst, ich kann mich definitiv nicht beklagen, zudem wir in der Arbeit normalerweise überhaupt keinen Zeitdruck haben.
Nun natürlich noch zum schönsten Part hier, der Freizeit ;):
Es ist einfach herrlich hier, die freie Zeit mit den anderen Mitarbeitern zu verbringen. Es steht uns völlig frei, zu tun und zu lassen, was wir wollen, solange wir die Gäste damit nicht belästigen bzw. stören. So spielen wir regelmäßig Fußball in der hauseigenen Turnhalle oder auf dem Fußballfeld, können baden gehen im Swimmingpool (drinnen), Tennis, Volley- oder Basketball spielen gehen oder einfach gemütlich in der Staff Lounge sitzen, reden oder spielen. Wir sind nun ca. 35-40 junge Mitarbeiter hier, was bedeutet, dass immer irgendjemand da ist, um etwas zu unternehmen.
Zusätzlich besteht die Möglichkeit zu den Lectures am Abend zu gehen, welche für die Gäste da sind und den Vorträgen oder kleinen Gottesdiensten der Bibelschule ähneln.
Rundum ist diese Zeit hier sehr aktions- und lehrreich für mich. Ich habe genau das gefunden, wonach ich gesucht habe, bzw. meine Erwartungen wurden bei weitem übertroffen und ich kann nur jedem empfehlen: Wer die Möglichkeit hat hier herzukommen als Mitarbeiter oder einfach als Gast für eine Woche, der sollte diese Möglichkeit wahrnehmen, denn es ist ein sehr besonderer Ort hier!
Ich höre nun auf weiter zu schwärmen, da es sonst zu lange wird und ich ja auch noch ein wenig Stoff benötige, um den nächsten Newsletter im August füllen zu können.
Abschließend sei noch einmal gesagt, mir geht es sehr sehr gut hier, jedoch vermisse ich natürlich meine Familie, Freunde, Gemeinde in Laupheim und in München, sowie meine Arbeit in München.
Ich wünsche euch allen alles Gute für die nächsten Wochen bis zum nächsten Newsletter.
Wenn ihr mir eine Antwort hier hinterlassen wollt bzw. persönlich per Mail informiert werden möchtet, wenn der nächste Newsletter (voraussichtlich Mitte August) hier erscheint, fühlt euch frei hier unten eine Nachricht zu hinterlassen oder alternativ eine E-Mail an news@marco-nachtigal.de zu schreiben.
Liebe Grüße
Marco